Warum ich glaube, dass eine “One-Click-Bewerbung” sehr wohl zielführend ist…

Heute erschien bei  Cyquest-Logo dieser Artikel:

Warum ich nicht glaube, dass eine “One-Click-Bewerbung” wirklich zielführend ist…

Klasse Artikel, auf den ich gerne antworten möchte. Ich stimme Cyquest nämlich nicht zu. Eine “One-Click-Bewerbung” stiftet einen deutlichen Mehrwert. Für Unternehmen und für Kandidaten.

Personalabteilungen sind heutzutage in vielen Unternehmen schmal besetzt. Deswegen steht wenig Zeit für die Administration von Bewerbungen zur Verfügung. Im Ergebnis zwingen immer mehr Firmen Bewerberinnen und Bewerber dazu, Online-Formulare auszufüllen. Firmen akzeptieren keine E-Mail oder gar Papierbewerbungen, denn sie wollen sich den Arbeitsaufwand sparen, der mit dem Einpflegen der Bewerbungen in das Bewerbermanagementsystem verbunden ist. Jedoch, in Zeiten des Fachkräftemangels setzen sie dadurch eine zu hohe Hürde. Von qualifizierten Kandidaten wird so ein Vorgehen oft als unangemessene Gängelung wahrgenommen und nicht akzeptiert. Wenn der Job und das Unternehmen für die Zielgruppe nicht absolut erste Wahl sind, dann verzichten gerade die Top-Qualifizierten darauf, sich zu bewerben.

Die „One-Click-Bewerbung“ wäre eine ideale Lösung. Bewerberinnen und Bewerber müssten nicht mehr bei jeder Bewerbung ein neues Formular ausfüllen. Stattdessen könnten sie die Bewerbung einmalig bei einer Jobbörse oder einem sozialen Netzwerk hinterlegen und sich dann schnell, unkompliziert, standortunabhängig bewerben. Die Bewerbung ginge direkt in das Bewerbermanagementsystem ein und müsste nicht von Bewerbermanagern in ein System eingepflegt werden. Kurz: Kandidaten und Recruiter sparen Zeit.

Allerdings ist der Einwand berechtigt, dass dadurch die Anzahl von Bewerbungen von unqualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten steigen könnte. So ein Klick ist schnell gesetzt, auch wenn der Job vielleicht nicht perfekt passt. Bewerbermanagement und Personalauswahl könnte dadurch dann doch wieder sehr zeitaufwendig werden.

„Mini-Assessments“, wie von Cyquest vorgeschlagen, könnten sicherlich helfen. Ich glaube allerdings nicht, dass das reichen wird. Hier können innovative Suchtechnologien helfen. Instrumente wie z.B. semantische Suchen werden es Arbeitgebern ermöglichen, ihre Bewerberdatenbanken viel effizienter nach passenden Kandidaten zu durchsuchen. Sollte also einmal auf eine Stelle mehr Bewerbungen eingehen, als die Recruiter bearbeiten können, so werden diese nur noch vorausgewählte Lebensläufe lesen, die eine intelligente Suche vorschlägt. Die Kombination aus „One-Click-Bewerbung“ und intelligenter Suche könnte also die optimale Lösung für Recruiter und Kandidaten sein. Ich bin gespannt, wie sich der Markt entwickeln wird!

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Prognose 2013 für Recruiter: Viel Arbeit, vertraute Herausforderungen

Liebe Recruiter, Ihr werdet ein anspruchsvolles, arbeitsreiches 2013 erleben!

Ja, Sie lesen richtig. Ich wage eine Prognose für 2013.

Prognose 1: Auf Recruiter in Deutschland wartet viel Arbeit.

Laut Manpower Arbeitsmarktbarometer schaffen 9% aller Unternehmen zusätzliche Stellen im ersten Quartal 2013. 80% der Unternehmen wollen die Mitarbeiterzahl stabil halten. 4% wollen Personal abbauen.[1] (Zu den verbleibenden 7% kann nur Manpower Auskunft geben. Vermutlich machten diese befragten Unternehmen keine Angaben.) Das bedeutet, dass 89% der Unternehmen in 2013 Mitarbeiter einstellen werden. Denn auch die Firmen, die die Mitarbeiterzahl stabil halten wollen, stellen ein, z.B. um die Fluktuation auszugleichen.

Die Manpower-Zahlen beziehen sich nur auf das erste Quartal 2013. Alle Wirtschaftsprognosen gehen jedoch davon aus, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr deutlich stärker sein wird[2]. Wenn also schon zum wirtschaftlich weniger starken Jahresanfang die meisten Unternehmen Leute einstellen werden, was passiert dann erst in der zweiten Jahreshälfte? – Ganz klar, auf Recruiter wartet dieses Jahr viel Arbeit!

Prognose 2: Der Fachkräftemangel bleibt eine große Herausforderung.

Die offizielle Prognose der Bundesregierung besagt, dass die Arbeitslosenquote niedrig bleibt, und zwar bei 6,8%. Dieser Trend wird von führenden Marktforschungsinstituten bestätigt.[3] Insgesamt haben wir – anders als Spanien, Griechenland oder sogar Frankreich[4] – keinen nennenswerten Arbeitskräfteüberschuss. Es fehlen weiterhin Ingenieure, Pflegekräfte, Ärzte oder auch Handwerksmeister[5]. Recruiter werden sich also auch in 2013 dem Wettbewerb um qualifizierte Menschen stellen müssen. Der Fachkräftemangel bleibt die Herausforderung!

Prognose 3: Es wird Innovation und Veränderungen im Recruiting-Markt geben.

Jetzt könnte ich über die Übernahme von Kununu durch Xing sprechen und über mögliche weitere Merger spekulieren. Oder ich könnte über Social und Mobile Recruiting und über QR-Codes schreiben. Oder über Gamification und Online-Tests. Oder über Online-Reputations-Checks. Oder, … – Doch ich überlasse Hypothesen über Marktteilnehmer, Methoden und Technologien lieber anderen. Stattdessen verspreche ich, weiterhin regelmäßig über innovative Employer Branding-Projekte und erfolgreiche Recruitingstrategien von Unternehmen zu berichten.


[1] Manpower Employment Outlook Survey, zitiert nach Haufe: Haufe Online Redaktion (2012), Deutscher Arbeitsmarkt hält sich gegen EU-Trend stabil, in: Haufe, 12.12.2012, abgerufen am 10.01.2013. http://www.haufe.de/personal/hr-management/deutscher-arbeitsmarkt-haelt-sich-gegen-eu-trend-stabil_80_155812.html

[2] o.A. (2012), Deutsche Wirtschaft nimmt 2013 wieder Fahrt auf, in: Handelsblatt, 13.12.2012, abgerufen am 12.01.2013. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ifo-institut-deutsche-wirtschaft-nimmt-2013-wieder-fahrt-auf/7516756.html

[3] Dietrich Creutzburg (2012), Deutsches Jobwunder soll sich fortsetzen, in: Handelsblatt, 27.12.2012, abgerufen am 10.01.2013. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/prognose-2013-deutsches-jobwunder-soll-sich-fortsetzen/7565952.html

[4] Cerstin Gammelin (2013), Armutszeugnis für Europa, in: Süddeutsch.de, 08.01.2013, insbesondere die Infografik Arbeitslos Langzeitarbeitslosigkeit EU Statistik Vergleich Deutschland, abgerufen am 12.01.2013 http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1567596.1357642579/860×860/arbeitslos-langzeitarbeitslosigkeit-eu-statistik-vergleich-deutschland.jpg

[5] Stefan von Borstel (2012), Arbeitsagentur fordert mehr Zuwanderer aus Asien, in: Die Welt, 30.09.2012, abgerufen am 13.01.2013. http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article109555070/Arbeitsagentur-fordert-mehr-Zuwanderer-aus-Asien.html

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Seufzer & Sonnenseiten: 241 Ausbildungsberufe auf dem Prüfstand

Leise und unauffällig revolutioniert seit 2007 die YOUNECT GmbH den Recruitingmarkt. Die „Talentpools“ der YOUNECT GmbH basieren auf der Idee, dass Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber weiterempfehlen, die sie kennen und schätzen jedoch aktuell nicht einstellen können. Diese lokalen, webbasierten Netzwerke, sind gerade für kleine und mittelständische Unternehmen eine wunderbare Möglichkeit, qualifizierte Azubis und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Region anzuwerben. Zwei der 28 Talentpools sind reine Azubi-Talentpools, 26 Talentpools vermitteln auch Absolventen und Fach- und Führungskräfte.

Das große Anliegen der Gründer der YOUNECT GmbH ist die Unterstützung junger Menschen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Jetzt gibt es von der YOUNECT GmbH noch mehr Hilfe für alle, die nach der richtigen Berufsausbildung suchen: berufsrakete stellt 241 Ausbildungsberufe unterhaltsam und anschaulich vor. Seufzer (Nachteile) und Sonnenseiten (Vorteile) von so unterschiedlichen Berufen wie „Fechtlehrer/in“, „Kanalbauer/in“, „Medizinische/r Dokumentar/in“, „Orgel- und Harmoniumbauer/in“, „Redakteur/in“ oder „Tierwirt/in – Geflügelhaltung“ geben tolle Einblicke, die bei der Berufswahl unterstützen.

Wer nach einer Entscheidungshilfe bei der Berufswahl sucht, ist auf berufsrakete genau richtig. Und wir Recruiter können uns auf Kandidaten freuen, die besser informiert sind und sich gezielter auf Ausbildungsplätze bewerben, die wirklich zu ihnen passen.

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Der kürzeste Jahresrückblick 2012 der HR-Blogger-Szene

Ich danke Martin Becker, Wolfgang Brickwedde, Annekatrin Buhl, Joachim Diercks, Martin Gaedt, Sandra Gertzen, Dominik A. Hahn, Andrea Hartenfeller, Wolfgang Hennes, Henner Knabenreich, Hans-Christoph Kürn, Ulrike Maier, Antje Rabenalt, Florian Schrodt, Heiko Schomberg, Jörg Stegemann, Robindro Ullah, Tim Verhoeven, Hans Ulrich Würth  und vielen anderen, die ich hier nicht erwähnen werde, weil wir ausschließlich offline kommuniziert haben. Ich danke für den anregenden Austausch, für die kreativen Ideen und für die gute Zusammenarbeit!

Das war er auch schon, mein ganz persönlicher Jahresrückblick. Alles andere wurde von anderen HR-Bloggern bestens zusammengefasst, deswegen empfehle ich diese lesenswerten Jahresrückblicke:

NochEinPersonalmarketingBlog

ICR Institute for Competitive Recruiting

CYQUEST, The Recrutainment Company

Online-Recruiting.net

Ich wünsche allen wunderbare Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr!

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Mit Robindro Ullah im Human Resources Manager

In der aktuellen Ausgabe des Human Resources Managers kreuzen Robindro Ullah und ich die Klingen. Es geht um Sinn und Unsinn von Personalauswahl.

Ina kreuzt im Human Resources Manager die klingen mit Robindor Ullah

Es ist mir wie immer ein Vergnügen @Robindro!

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Azubi-Blog der Deutschen Flugsicherung – Interview mit Florian Schrodt

Die Deutsche Flugsicherung positioniert sich schon seit Jahren erfolgreich als spannender Arbeitgeber auf Facebook. Heute startet die DFS das Azubi-Blog  (geht im Laufe des heutigen Tages online). Florian Schrodt hat dieses tolle Projekt ins Leben gerufen und ein Team von begeisterten Azubis zusammengestellt. Das Blog ist mit Unterstützung von Henner Knabenreich  entstanden. Zum Start geben Florian und sein Team ein Interview

employerreputation: Florian, was möchtest Du und was möchte die DFS mit dem Blog erreichen?

Florian Schrodt: Wir möchten drei Dinge erreichen.

  • Zum einen wollten wir unsere Onlinekanäle um einen Baustein erweitern, den wir inhaltlich in dieser Form noch nicht abgedeckt hatten. Und zwar möglichst authentische Informationen bieten. Der Begriff wirkt doch sehr abgegriffen, sagen wir also eher einen möglichst intensiven Einblick in den Alltag bieten. So wollen wir unsere Ausbildungs- und Studienbilder auf sehr subjektive Weise darstellen, um möglicherweise komplexe Hintergründe aufzubrechen und greifbarer zu machen für Interessierte und Bewerber. Dies soll aus der Perspektive der Azubis und Studierenden geschehen, die bestens wissen, welche Informationen relevant sind.
  • Darüber hinaus wollten wir einen hauseigenen Kanal haben, den wir nach unseren Vorstellungen gestalten und betreiben können. Das heißt hier entscheiden wir über Tiefe der Informationen, Arten der Darstellung, Aktualisierungszyklen etc, ohne jedoch einen Bruch zu den anderen Kanälen zu riskieren, sondern wir können ganz im Gegenteil weitere Synergien bilden.
  • Und last but not least (und das ist das Wichtigste!) wollten wir unseren Auszubildenden ermöglichen, ihre Begeisterung für ihre Tätigkeit bei uns in ein Projekt einfließen zu lassen, das sie mit möglichst viel Freiraum mitgestalten können. Dieser Funke soll auf die Leser überspringen.

employerreputation: Eine Frage für das Azubi-Team: Florian hat mir im Vorgespräch erzählt, dass sich schnell ein großes, super-engagiertes Team von Azubis für das Blog gefunden hat. Was hat Euch interessiert und warum seid Ihr dabei?

Azubi-Team: (Florian Schrodt) Ich habe mir erlaubt, die Frage an das Team weiterzuleiten und fasse die Aussagen der Teilnehmer zusammen:

Vor allem geht es darum, die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen. Um allen, die keine Möglichkeit dazu haben, einen möglichst guten Einblick in unseren Alltag geben zu können und somit das Interesse an unseren Berufen weiter zu steigern und vielleicht etwas besser zum Schritt der Bewerbung zu motivieren. Da jedoch unterschiedliche Berufsbilder vertreten sind, sind die Blickwinkel auf das eigene Engagement auch recht unterschiedlich. Unsere Fluglotsen wollen beispielsweise die Einmaligkeit ihres Berufes zeigen und Hintergründe erläutern, während unsere dual Studierenden aufzeigen wollen, dass die Flugsicherung auch in der Ausbildung nicht nur auf Fluglotsen beschränkt ist, sondern dass beispielsweise auch Informatiker, Informationstechniker, Elektro- und Nachrichtentechniker, Bürokaufleute und Flugsicherungsingenieure ihren Beitrag leisten. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie die Begeisterung rüberbringen wollen, die man hier erleben kann, vor allem, wenn man sich für Luftfahrt interessiert. Aber auch das Campusleben hat ein besonderes Flair, von dem berichtet werden soll. Und eine Aussage hat mich zum Schmunzeln gebracht: wenn man will, dass so ein Projekt funktioniert, muss man selbst mitmachen. Die Motivation und das Engagement waren jedoch bei allen sehr groß, so dass wir mit großer Freude das Projekt starten.

employerreputation: Florian, wie wirst Du den Erfolg des Blogs messen?

Florian Schrodt: Natürlich wird der Erfolg des Blogs in erster Linie über die Zugriffe, Verweildauer, die Verbreitung etc. gemessen werden. Wir hoffen jedoch, dass auf dem Blog auch ein reger Austausch zwischen Bewerbern und Azubis/Studis stattfindet. Es wäre klasse, wenn die Möglichkeit des Dialogs auch hier wahrgenommen wird. Aber wir setzen uns diesbezüglich nicht unter Erfolgsdruck, sondern freuen uns, dass wir gemeinsam mit unseren Studierenden und Auszubildenden einen Kanal auf die Beine gestellt haben, der für uns alle lehrreiche Erfahrungen, aber auch viel Spaß gebracht hat. Dass wir gemeinsam ein solches Projekt umgesetzt haben, macht mich persönlich sehr stolz – vor allem, weil die Azubis und Studis von Beginn an Verantwortung eingefordert und übernommen haben. Davor ziehe ich meinen Hut, dieses persönliche Engagement ist sicherlich nicht selbstverständlich und spricht für den Charakter unserer Teilnehmer, aber auch für uns als Arbeitgeber, die Identifikation scheint also in einem sehr gesunden Maß vorhanden zu sein. Aber auch die interne Abstimmung mit anderen Bereichen hat uns viel gebracht und unseren Horizont enorm erweitert. An dieser Stelle möchte ich auch Henner Knabenreich danken, der den Blog konzeptionell und inhaltlich mit aufgebaut und implementiert hat. Und zwar sprichwörtlich zu jederzeit. Das Teamwork hat geklappt. Nun werden wir sehen, wie wir uns kontinuierlich weiterentwickeln, um den Blog zu einem Ort der Information und des Austauschs zu machen, der unser Portfolio bereichert und langfristig sowohl für die Schreibenden und für die Leser einen Mehrwert bietet.

employerreputation: Ihr seid auf Facebook aktiv, startet ein Azubi-Blog, was hast Du als nächstes vor?

Florian Schrodt: Außerdem sind wir auch noch auf Youtube und auf Instagram, unseren (audio)visuellen Komponenten im Personalmarketing, die den Arbeitgeber greifbar und erlebbar machen sollen. Wir haben mit unserem Herzstück, der Karriereseite, sowie den spezifischen Social Media Kanälen erst einmal einen Onlinemix, den wir mit den jeweiligen Mehrwerten etablieren wollen. Das muss sich erst einmal einspielen. Danach sehen wir weiter, welche Vorzüge anderer Kanäle wir noch einbinden können. Es bleibt spannend. Ideen haben wir viele. Aber die Arbeit mit dem Vorhandenen ist zunächst ausreichend, denn die Inhalte kommen nicht von alleine. Also erst einmal das richtig nutzen.

Florian Schrodt stellt sich vor:

Florian-Schrodt

Ich habe Politikwissenschaften studiert und als freier Journalist sowie in einer PR-Agentur gearbeitet. Zunächst war ich bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in der Kommunikation tätig, inzwischen bin ich dort als Referent im Personalmarketing mit Schwerpunkt Online. In dieser Funktion verantworte ich vor allem die Aktivitäten und die Weiterentwicklung der sozialen Netzwerke, die ich als Teil des Social Media Teams aufgebaut habe.

Als Referent, Redner und Blogger gebe ich Einblicke in meine Erfahrungen, die ich auf diesem Gebiet sammeln konnte.

Azubi-Team

Azubiblogger

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Sind „weibliche“ Stellenanzeigen wirklich erfolgreicher? – Interview mit Dr. Rodrigo Isidor

Am 5.11. hat employerreputation über den Vortrag von Dr. Rodrigo Isidor auf dem Herbstworkshop der Kommission Personalwesen an der Universität Hamburg berichtet („Weibliche“ Stellenanzeigen sind erfolgreicher!). Der Artikel traf auf reges Interesse und hat auf Xing und Google+ eine spannende Diskussion ausgelöst. Deswegen freue ich mich, dass Dr. Isidor, der mit Dr. Marius Wehner und Prof. Rüdiger Kabst an der Universität Gießen die beschriebene Studie durchgeführt hat, bereit ist, hier ein paar Fragen zu beantworten.

employerreputation: Herr Isidor, vielen Dank dass Sie der Einladung zum Interview gefolgt sind. Bei geschlechtsspezifischen Stellenanzeigen denken die meisten nur an einen AGG-Verstoß (z.B. „Kassiererin gesucht!“). Wie definieren Sie „weibliche“, „männliche“ und „neutrale“ Stellenanzeigen?

Dr. Isidor: Eine Eigenschaft gilt, dann als weiblich, männlich bzw. neutral, wenn sie als solche von der Gesellschaft auch wahrgenommen wird. Die Wahrnehmungen beruhen auf geschlechtsspezifischen Stereotypen, welche sich in einer Gesellschaft über viele Jahre entwickelt haben. Diese Stereotypen wiederum entstehen durch die Aufteilung der Berufswelt in typisch weibliche Berufe wie Krankenschwester und typische männliche Berufe wie Feuerwehrmann. Die Eigenschaften, die diesen Berufen zugeschrieben werden, schaffen dann Normen und Erwartungen, wie sich Frauen und Männer zu verhalten haben.

employerreputation: Wie messen Sie, ob eine Eigenschaft „weiblich“, „männlich“ oder „neutral“ ist?

Dr. Isidor: Hierzu haben wir aktuelle Stellenanzeigen aus Online-Jobportalen analysiert. Insgesamt konnten wir 34 Eigenschaften identifizieren, die verstärkt bei Stellenausschreibungen gefordert wurden. Diese 34 Eigenschaften wurden dann anschließend in einer Vorstudie von 126 potentiellen Bewerber/innen danach bewertet, wie weiblich bzw. männlich sie diese Eigenschaften fanden. Die Eigenschaften, die sowohl von den weiblichen als auch den männlichen Teilnehmern als besonders weiblich bzw. männlich evaluiert wurden haben wir dann in unsere Hauptstudie aufgenommen. Überrascht hat uns, dass unsere Ergebnisse nicht wesentlich von den Befunden von Sandra Bem (Bem Sex Role Inventory, BSRI) aus dem Jahr 1974 unterscheiden.

employerreputation: Eine Leserin schrieb, dass sie in Stellenausschreibungen die Eigenschaften fordert, die zur Aufgabenerfüllung notwendig sind. Nur so ließe sich sicherstellen, dass sich Kandidaten bewerben, die das Anforderungsprofil erfüllen. Wenn primär „männliche“ Eigenschaften benötigt werden, würde sie diese auch aufnehmen. Hat Ihre Studie keine praktische Relevanz?

Dr. Isidor: Sicherlich hat unsere Studie praktische Relevanz. Um den Anteil an weiblichen Mitarbeiterinnen zu erhöhen sollten Unternehmen sich zuerst einmal fragen, ob die sehr häufig geforderten männlichen Eigenschaften wirklich die sind, welche für eine erfolgreiche Aufgabenerfüllung notwendig. Sollte dies weiterhin der Fall sein, besteht die Möglichkeit, die geforderten (männlichen) Eigenschaften nicht in Form von Adjektiven/Nomen (z.B. Durchsetzungsfähigkeit) in die Stellenausschreibung mit aufzunehmen, sondern eher Verben zu verwenden bzw. das erforderliche Verhalten zu beschreiben. Studien haben gezeigt, dass Bewerberinnen darauf deutlich positiver reagieren.

employerreputation: Ein Leser äußerte die Befürchtung, dass Unternehmen Ihre Studie nutzen könnten, um Frauen auszuschließen. Glauben Sie, dass dieses Risiko besteht?

Dr. Isidor: Ich glaube nicht, dass dieses Risiko besteht, da ich keinen logischen Grund kenne, warum Unternehmen dies anstreben wollten. Ganz im Gegenteil, streben Unternehmen nicht erst seit der Diskussion um die Frauenquote nach einem höheren Frauenanteil. Hierbei kann unsere Studie helfen, die Stellenausschreibungen entsprechend zu gestalten.

employerreputation: Herr Isidor, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

Rodrigo Isidor ist Habilitand am Lehrstuhl für Personalmanagement, Mittelstand und Entrepreneurship an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Neben der Wirkung von geschlechtsstereotypischen Eigenschaften in Stellenausschreibung liegen seine Forschungsschwerpunkte im Bereich der Teamforschung, insbesondere der Teamzusammensetzung (Diversity).

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Personalmarketing zur besten Sendezeit: Deutsche Bahn

Mit TV-Spots wirbt die Deutsche Bahn seit Samstag für sich als Arbeitgeber.

Die Kampagne „Kein Job wie jeder andere“ ist hervorragend aufgesetzt: Unterschiedliche Zielgruppen werden mit angepassten Inhalten angesprochen. Es werden alle Kanäle genutzt (TV, Print, Online, Social). Die Kampagne führt alle Zuschauer und Leser konsequent auf eine zentrale Seite: karriere.deutschebahn.com. Diese Karriereseite ist ansprechend gestaltet und überzeugt inhaltlich.

Nur an der Usability der Seite habe ich Zweifel. Nutzer könnten sich auf der sehr bunten, bewegten Seite verlieren, und die angeschlossene Stellensuche ist gelegentlich recht langsam.

Wer mehr über diese hervorragende Kampagne wissen möchte, findet hier die wichtigsten Links.

Zum TV-Spot:

O-Ton Deutsche Bahn zur Kampagne:

Kerstin Wagner, Head of Talent Acquisition, im Interview bei saatkorn

Robindro Ullah in seinem Blog

Von allen HR-Blogger ist der Beitrag von Cyquest am besten:

„Big Player“ Deutsche Bahn erobert mit Personalmarketingoffensive TV und Kino

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„Weibliche“ Stellenanzeigen sind erfolgreicher!

Stellenanzeigen, die primär „typisch weibliche“ Eigenschaften wie „Teamorientierung“ oder „Kommunikationsfähigkeit“ nennen, führen zu mehr Bewerbungen. Geschlechtsneutral wirkende Anzeigen, die z.B. „Selbständigkeit“ von Kandidaten fordern, sind ebenso erfolgreich. Auf Stellenanzeigen, die primär männliche Attribute („analytisches Denken“, „Durchsetzungsvermögen“, …) anführen, gehen weniger Bewerbungen ein. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung von 288 Teilnehmern, die Dr. Rodrigo Isidor auf dem Herbstworkshop der Kommission Personalwesen an der Universität Hamburg vorgestellt hat.[1]

Offenbar bewerben sich Männer zwar auf „männliche“, „weibliche“ und „neutrale“ Anzeigen. Frauen jedoch bewerben sich überwiegend auf „weibliche“ und „neutrale“ Stellenausschreibungen. Sie ziehen es vor, auf „männlich“ formulierte Ausschreibungen nicht zu reagieren. Das Forscherteam geht davon aus, dass Frauen sich als nicht kompetent einstufen, wenn viele „männliche“ Eigenschaften gefordert sind. Es wäre auch möglich, dass sie sich nicht willkommen fühlen oder kein Interesse daran haben, in einer „maskulinen“ Unternehmenskultur zu arbeiten.

Für Unternehmen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind, lässt sich aus dieser Studie eine klare Empfehlung ableiten: Um möglichst viele qualifizierte Kandidaten, Männer wie Frauen, zu erreichen, sollte das Anforderungsprofil so formuliert sein, dass es als geschlechtsneutral empfunden wird.


[1] Rainer Spies (2012), Hartnäckige Stereotype im Spiegel der Wissenschaft, Das Thema Frauen und Karriere auf dem Herbstworkshop der Kommission Personalwesen, in: Personalführung 11, S. 56-59

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Personalauswahl? – Zeitverschwendung!

Vor 15 Jahren schon, als ich mich auf Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie spezialisierte, war Personalauswahl ein großes Thema. Wir haben uns mit Intelligenz- und Persönlichkeitstests beschäftigt, Assessment Center entwickelt und ausgiebig diskutiert, welche Tests Berufserfolg optimal vorhersagen. Selbst im Massenrecruiting während der Internetblase, als Spezialisten in allen Start-Ups fehlten, haben meine Kollegen und ich mit allen Kandidaten mehrere ausführliche, strukturierte Interviews geführt. Bis heute investieren Unternehmen große Summen in Auswahlverfahren. Als Beraterin erlebe ich regelmäßig, dass selbst hochspezialisierte, nachgefragte Fachkräfte, über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg zu Interviews eingeladen werden, da Unternehmen Angst vor einer Fehlentscheidung haben.

Meine These: Das ist Zeitverschwendung!

Das ist Zeitverschwendung und zwar aus zwei Gründen:

  1. Fachkräftemangel: Aufwendige Auswahlverfahren sind nur dann sinnvoll, wenn Sie zwischen mehreren Kandidaten wählen können.
  2. Überschätzte Persönlichkeit: Unternehmen analysieren die Person, um Verhalten vorherzusagen. Psychologische Forschung zeigt aber, dass Verhalten enorm von der Situation und weniger von Persönlichkeitseigenschaften beeinflusst wird.

1. Fachkräftemangel: Investieren Sie nur in Personalauswahl, wenn Sie wirklich auswählen können!

Ist Ihr Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen, dann erhalten Sie für viele offene Stellen keine Bewerbungen von Kandidaten, die die fachlichen Anforderungen erfüllen. Wenn es gut läuft, kommen pro Stelle zwei, im besten Fall drei Bewerbungen, die passend scheinen. Viele Arbeitgeber sind nicht in der Position, zwischen verschiedenen Bewerbern auszuwählen.

Natürlich, Sie können die Stelle des Chefredakteurs nicht mit einem funktionalen Analphabeten besetzen. Das Geschäftsführungssekretariat sollte nicht mit einem Mitarbeiter besetzt werden, der keinerlei Erfahrung mit Outlook und Powerpoint hat. Das internationale Recruiting kann nur von einer Führungskraft geleitet werden, die gut Englisch spricht. Niemand behauptet, dass jeder Kandidat und jede Kandidatin zu jeder beliebigen Position passt.

Jedoch, die fachlichen Anforderungen erfüllt oft nur eine Bewerberin oder ein Bewerber. Sie können nicht zwischen verschiedenen Kandidaten wählen und sollten daher so ehrlich sein, Auswahlverfahren zu reduzieren. Es geht nämlich nur um folgende Entscheidung: Was ist teurer und aufwendiger? Ist es teurer, die Stelle mit einer Person zu besetzen, die sich als Fehlbesetzung herausstellen könnte? Oder ist es teurer, die Stelle unbesetzt zu lassen? Um diese Entscheidung zu fällen, benötigen Sie kein Assessment Center, auch nicht 5 Bewerbungsgespräche. Es ist keine Auswahlentscheidung. Es braucht nur etwas Mut: „Ja, diese Kandidatin ist besser, als keine.“ oder „Nein, besser keiner als dieser Kandidat.“

Fachkräftemangel bedeutet, dass Sie die Ressourcen von „Auswahl“ zu „Marketing“ verschieben sollten. Damit die wenigen qualifizierten Kandidaten, die Sie suchen, von der Ausschreibung erfahren und verstehen, dass Ihr Unternehmen ein guter Arbeitgeber ist. Aufwendige Auswahlverfahren sind Ressourcenverschwendung. Kampagnen für Ihr Arbeitgeberimage und ein gutes Jobmarketing dagegen hilft Ihnen bei der Stellenbesetzung.

2. Die überschätzte Persönlichkeit: Investieren Sie in Führung und Organisation, nicht in Auswahl!

„Teamfähigkeit“, „Passung zur Unternehmenskultur“, „Führungspersönlichkeit“ – diese und viele andere weiche Faktoren wollen Firmen in ihrer Personalauswahl berücksichtigen. Es soll also nicht nur um reine Fachkompetenz gehen. Die gesamte Persönlichkeit soll berücksichtigt werden.

Dr. Ingrid Glomp beschreibt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Psychologie Heute“, wie die Wirkung der Persönlichkeit auf das Verhalten überschätzt wird. In Wer ich bin? Das kommt ganz auf die Situation an![1] erläutert Frau Glomp anhand von aktuellen Studien und Klassikern der psychologischen Forschung, dass Verhalten hauptsächlich durch die Situation und wenig durch die Persönlichkeit bedingt ist. Beispielsweise zitiert sie ein aktuelles Experiment der Universität Princeton. Die Testpersonen glaubten, dass sie zu einem Termin unterwegs waren. 50% der Testpersonen wurde gesagt, dass sie spät dran seien. Den anderen Teilnehmern wurde gesagt, dass noch viel Zeit bis zum Termin ist. Auf dem Weg trafen alle Versuchsteilnehmer auf einen Menschen (natürlich einen Schauspieler), der offensichtlich medizinische Hilfe benötigte. 63% der Teilnehmer, die glaubten, viel Zeit zu haben, boten ihre Hilfe an. Von denjenigen, die unter Zeitdruck standen, waren es nur 10%! (Den Beitrag gibt es hier, leider kostenpflichtig.) Unter Zeitdruck sind also nur 10% der untersuchten Kandidaten hilfsbereit. Die Situation bestimmt die Hilfsbereitschaft, nicht die Persönlichkeit. Hilfsbereitschaft, Leistungsbereitschaft, Gehorsam, … Überall weist die Psychologie nach, dass die Situation einen größeren Einfluss hat als die Persönlichkeit.

Niemand bestreitet, dass es Persönlichkeitseigenschaften gibt. Jedoch zeigt es sich immer wieder, dass unser Verhalten von Rahmenbedingungen viel stärker beeinflusst wird als von Persönlichkeitsfaktoren.

Wenn also Umweltfaktoren unser Verhalten nahezu determinieren, dann sollten Führungskräfte und HR-Manager sich darauf konzentrieren, „die richtige Situation“ zu schaffen. Wenn in einer Hochrisiko-Organisation ein Mechanismus verhindert, dass eine Maschine im laufenden Betrieb geöffnet werden kann, wird „die richtige Situation“ geschaffen. Die Unfallwahrscheinlichkeit wird minimiert.[2] Wenn eine Investmentbank ihren Mitarbeitern unrealistische Ziele setzt, mit der Zielerreichung einen finanziellen Bonus verknüpft, der das Festgehalt weit übersteigt und gleichzeitig niemand kontrolliert, welche finanziellen Risiken die Mitarbeiter eingehen, dann wird eben nicht „die richtige Situation“ geschaffen. Im Gegenteil, es entsteht ein System, welches direkt in die Krise führt.

Die „richtige Situation“, dazu gehört ganz besonders die Vorbildfunktion der Führungskräfte. Wenn der Geschäftsführer sich von einem großen Zulieferer nicht zu einem Segelurlaub einladen lässt, dann wird der Einkaufsleiter sich nicht während einer Preisverhandlung zu einem Golf-Schnupperkurs verführen lassen. Wenn der Vorarbeiter in allen Risikobereichen den Helm trägt, dann werden seine Mitarbeiter es ihm gleichtun. Nichts ist so wirkungsvoll wie gelebte Werte. Führungskräfte, die Werte vorleben, schaffen „die richtige Situation“.

Die Konsequenzen für Personalauswahl und Unternehmenssteuerung sind offenkundig: Es ist Zeit, für einen Wandel. Wir können es uns nicht mehr erlauben, viel Zeit und Geld in Auswahlverfahren zu investieren, die nicht zum Unternehmenserfolg beitragen, sondern im Gegenteil, die besten Kandidaten vertreiben. Stattdessen sollten wir uns auf Visionen, Werte, optimierte Prozesse und eine gute Führungskultur konzentrieren. Denn nur das führt zum Unternehmenserfolg. Gleichzeitig macht das einen guten Arbeitgeber aus. Gute Mitarbeiter bleiben Ihrer Organisation länger treu. Und Ihr Arbeitgeberimage und Ihre Imagekampagnen werden immer glaubwürdiger.

Nur Mut! Wenn Sie die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und ein attraktiver Arbeitgeber für die Menschen sind, die Sie brauchen, dann können Sie auf Personalauswahl verzichten!


[1] Ingrid Glomp (2012), Wer ich bin? Das kommt ganz auf die Situation an!, in: Psychologie Heute 10, S. 38-43

[2] Johann Weichbrodt (2012), Regeln und Vorschriften: Bürokratischer Ballast oder Voraussetzung für Sicherheit? Regelmanagement am Beispiel von Hochrisiko-Organisationen, in: Personalführung 9, S. 20-28

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